10
Dez
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Was bleibt nach dem Tode? Oder: Die Auferstehung ostdeutscher Musikkultur
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„Was bleibt nach dem Tode?“, fragt die ehemalige Ost-Band Stern Combo Meißen in ihrem Disco-Film 'Kampf um den Südpol'. Oder anders gefragt: Was bleibt nach dem Mauerfall?

Die Antwort ist einfach: die Auferstehung der ostdeutschen Musikkultur. Und diese wurde zum zwanzigsten Jubiläum des Berliner Mauerfalls mit einem einzigartigen Programm im Rahmen des UNERHÖRT! Musikfilmfestivals Hamburg vom 3. – 6.12. zelebriert. Neben Highlights wie der DEFA-Disco-Filmreihe wartete das Festival mit einem geballten Porträt ostdeutscher Musikfilmkultur auf, die im Westen für Furore sorgen wird. Ergänzt wird dies um Dokumentationen aus westdeutscher Perspektive.

In 'Achtung! Wir Kommen' (Regie: Karl G. Hardt) untermalt brachialer Gitarrensound zwanzig Jahre Popgeschichte unter den sich wandelnden Bedingungen der Wiedervereinigung. Es darf auch gelacht werden, wenn die Musiker von Blind Passengers, Die Skeptiker, Sandow und Feeling B versuchen, die durch den Mauerfall bedingte „Eskalation der Möglichkeiten“ zu verkraften.

Auch Claudia Lehmanns 'Hans im Glück' porträtiert die Zusammenstöße des musikalischen Individuums mit der Vor- und Nachwendezeit. Mit Charme und Ironie folgt der Film dem Musiker Hans Narva, u.a. Sänger/Bassist bei den Hands Up Excitement (die bei UNERHÖRT! auch live dabei sind) sowohl in den „Prenzl'berg Underground“ als auch in die Abgründe seiner Existenz.

"Ich schlafe mit jemandem, wenn es mir Spaß macht. Ich nenne einen Eckenpinkler Eckenpinkler. Ich bin die, die bei den Tornados rausgeflogen ist. Ich heiße Sunny." Provokant zeigt der DEFA-Klassiker 'Solo Sunny' von Konrad Wolf das Leben der eigenwilligen Schlagersängerin Sunny aus Ost-Berlin und die Organisation des Pop im sozialistischen Alltag.

Wer sich für die wahren Begebenheiten hinter dem bekannten DEFA-Film interessiert, kann Sunny in Alexandra Czoks Dokumentation 'Solo für Sanije' von einer anderen, ernüchternden Seite kennenlernen.

Eine besondere Rarität ist die Reihe der DEFA-Disco-Filme. Die als Musikclips, Kunstfilm-Miniaturen oder Kurz-Dokus verwendeten Disco-Filme greifen sämtliche Genres von Schlager über Rock bis Jazz auf und zeigen uns die ästhetischen Vorstellungen des Pops in der DDR und einer sich auch im Sozialismus ankündigenden Musikvideokultur. Bei Discofilmen über Günther Fischer, Manfred Krug, Floh de Cologne, Elektra, Modern Soul und Rugby oder City schlagen die Herzen aller Retro-Fans garantiert höher.

Einen westlichen Kontrast bietet Birgit Herdlitschkes Porträt des Frontmannes der Einstürzenden Neubauten, Blixa Bargeld in 'Das letzte Biest am Himmel – Blixa Bargeld'. Bargeld verkörpert eine der schillerndsten Figuren des deutschen Post-Punks. Doch nicht nur er kommt zu Wort, auch einige seiner prominenten Wegbegleiter wie z.B. Nick Cave und seine Mutter äußern sich.

Um den Westberliner Post-Punk dreht sich ebenfalls alles in 'Okay Okay - Der Moderne Tanz' von Christoph Dreher. Als Meilenstein des Experimentalfilms gefeiert, gehen postpunkige Stadtansichten, Aufnahmen aus dem legendären Kreuzberger SO36 und die Musik von Chrome, PIL, Residents oder Pere Ubu ineinander über.


Wir danken unserer Gastautorin Kathrin Raczek, freie Journalistin, Hamburg.


Bei UNERHÖRT! on tour in Berlin laufen



„Hans im Glück“ & Konzert der Band Hands Up Excitement
10.12., 21 Uhr Eiszeit Kino

- in Anwesenheit der Regisseurin Claudia Lehmann, Hans Narva und Band

„Das letzte Biest am Himmel – Blixa Bargeld“
13.12., 18.15 Uhr Eiszeit Kino

- in Anwesenheit der Regisseurin Birgit Herdlitschke
05
Dez
0 Kom.
Martin Hossbach, Spex spricht mit...
- Claudia Lehmann über ihr Musikerportrait "Hans im Glück"
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Worum geht es in »Hans im Glück«?


Es geht um Hans, Ostberliner Urgestein, Musiker, (Lebens-) Künstler, seine Vergangenheit, seine Gegenwart, seine Musik, seine ›Familien‹, seine anstehende Haftstrafe. Ich würde sagen, der Film zeigt einen Ausschnitt aus einem sehr bewegten Leben.

Wie kam es zu der Idee, über Hans Narva einen Film zu machen?


Ich kenne Hans seit Jahren und traf ihn innerhalb der letzten 15 Jahre vielleicht durchschnittlich ein bis zwei Mal im Jahr (jetzt natürlich öfter, wegen des Films und wegen der Musik). Immer wenn er mir von seiner Vergangenheit erzählte, verspürte ich Lust, eine Kamera in die Hand zu nehmen. Was und auch wie er es erzählte, fand ich so unglaublich, gleichzeitig faszinierend und absurd.

Außerdem war und bin ich großer Fan seiner Musik (The Crack-Up Collective beispielsweise ist eine großartige Band), die auch wieder einiges in Zusammenhang mit seinem Leben und seiner Vergangenheit erzählt. Als er alle Bands, mit welchen er zusammengearbeitet hat, zu einem ›Geburtstagskonzert‹ zusammenführte, war das ein willkommener Anlass für mich, diese Dokumentation zu beginnen.


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04
Dez
0 Kom.
Interview mit der Filmemacherin Birgit Herdlitschke
- u.a. über ihre Dokumentation „Das letzte Biest am Himmel – Blixa Bargeld“
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Zunächst einige Fragen zu Dir, Birgit. Wie ist Dein Werdegang?


Ich habe bis Ende der 80er Jahre in (West)Berlin Publizistik, Englisch und Spanisch studiert und dann 5 Jahre für MTV Europe gearbeitet - erst in Berlin, dann in London.

Ab 1995 war ich feste freie Autorin im Team von Friedrich Küppersbusch für die Sendungen „ZAK“ und „Privatfernsehen“ (WDR/ARD).

Bei arte war ich von 1998 - 2004 als Redaktionsleiterin für die Musiksendung „Tracks“ verantwortlich und habe daneben als freie Filmemacherin gearbeitet. Seit 2005 bin ich als selbständige Autorin und Filmemacherin tätig, vor allem für arte.

Was hat Dich bewogen, Filmemacherin zu werden?


Der Zufall. Ich trieb in den 80ern durch das Berliner (Nacht)Leben, bis mich eine Freundin fragte, ob ich Lust auf ein Praktikum in einer TV-Produktionsfirma hätte, die u.a. für MTV Europe arbeitet. Nach einer Woche Praktikum wusste ich: Das ist es. Musik und Bilder zu verknüpfen, dazu noch Künstler interviewen - Bingo!


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03
Dez
0 Kom.
Martin Hossbach spricht mit...
- Stefan Pethke, Programmkoordinator von UNERHÖRT!
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Du zeichnest für das Programm des Festivals verantwortlich. Wie kam es zu der Idee, dieses Festival ins Leben zu rufen?


Die Idee zu UNERHÖRT! hatte Ralf Schulze, Leiter des Festivals und langjähriger Freund aus Studienzeiten. Ralf hat es dann in den Neunzigern als Musikverleger nach Hamburg verschlagen, während ich in Berlin blieb und an der DFFB Film studierte.

Dort drehte ich auch zwei Dokus zu HipHop-Themen. Auch Ralf hat eigentlich immer an der Schnittstelle von Filmbild und Musik gearbeitet, jedenfalls waren Musikberatung und Rechteklärung immer wichtige Betätigungsfelder.

Ralf war also beschäftigt mit Filmmusik – und irgendwann auch zwangsläufig mit der Frage nach der Zukunft des Musikgeschäfts an sich. Also hat er das Wort ›Filmmusik‹ einfach mal umgedreht – heraus kam ›Musikfilm‹. Als er dann eines Tages begeistert von einer Reise nach Barcelona erzählte, wo er In-Edit besucht hatte, ein von Katalanen betriebenes Filmfestival, das ausschließlich musikbezogene Filme zeigt, war die Entscheidung gefallen. Ralf hat mich rasch mit der Programmhoheit betraut und ist dann voll ins eigene Risiko gegangen.

Aber natürlich ist der wichtigste Grund für die Entstehung des Festivals der, dass es für uns alle in der UNERHÖRT! Mannschaft geradezu eine Selbstverständlichkeit ist, uns die Welt (auch) mit Hilfe von Popkultur, im Wesentlichen also über Musik zu erklären.


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02
Dez
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Martin Hossbach, Spex spricht mit...
- Dieter Matzka über "Who Is Highlife?", eine Musikdoku über Highlife-Musik aus Ghana
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Worum geht es in »Who Is Highlife«? Was genau ist ›Burger Highlife‹?


Drei Personen waren an der Entstehung des Films beteiligt: Wilma Kiener und ich haben zusammen eine kleine Filmproduktion, die es uns möglich macht, unsere gemeinsamen Filmideen zu realisieren. Sie ist Ethnologin. Hinzu kam noch unser ghanaischer Freund Alpha Yahaya Suberu, ein ehemaliger Filmstudent der Nationalfilmschule (NAFTI) in Accra, ohne dessen Mitarbeit der Film so nicht zustande gekommen wäre.

In unserem Film geht es vor allem um die ghanaische Highlife-Musik, aber auch um das Land Ghana und seine Menschen. Was die Musik betrifft, so geht es um einen Teil in der afro-amerikanischen Popmusik-Entstehungsgeschichte, der erst jetzt langsam ins Bewusstsein der westlichen Welt kommt.

Highlife ist eine Fusion-Musik mit afro- und afro-amerikanischen sowie westlichen Elementen. Einerseits ist Highlife eine Mischung aus den traditionellen, afrikanischen Elementen wie Rhythmus, Tanz, Sprache und der speziellen Art, diese Musik zu spielen.

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