Kategorie "Web 2.0"
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27
Feb
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Symposium „The Art of Music Education“ – Web 2.0-Strategien für Kultureinrichtungen
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Ich hatte gestern die Gelegenheit, am 3.Tag des internationalen Fachsymposiums zur Musikvermittlung an Konzerthäusern „The Art of Music Education – Creating Mindsets for Concerthalls“ einige Vorträge zum Thema Web 2.0-Strategien für Kultureinrichtungen zu besuchen. Das Symposium wurde von der Körber-Stiftung und der Elbphilharmonie veranstaltet und fand in den wunderbaren Räumen des KörberForums in der Hafencity statt. Moderiert wurde es von der mitreißenden Andrea Thilo, Filmproduzentin aus Berlin.

Im Mittelpunkt des Symposiums stand die Frage, wie Jugendliche für klassische Musik begeistert werden können.

Diesem Leitthema folgend wurden in den Web 2.0-Panels einige hochinteressante Beispiele vorgestellt, wie es gelingen kann, neue Zielgruppen über die Neuen Medien anzusprechen und zu beteiligen sowie innovative Kulturkonzepte umzusetzen.

Mark Miller, selbst Künstler, kuratiert die Jugendprogramme der Tate Britain, gebündelt unter der Marke „Young Tate“. Die altehrwürdige Tate hat sich ohnehin längst als moderne Kultureinrichtung neu erfunden und besticht mit ihrem umfassenden Branding- und Marketingkonzept. Ich persönlich schätze den Tate Video Channel und den TateShots Blog sehr und gehe niemals ohne einen der wunderbaren Tate-Stoffbeutel aus dem Museumsshop.

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Young Tate geht in Richtung der angepeilten Zielgruppe der Jugendlichen interessante neue Wege: Mark Miller berichtete eindrucksvoll von Projekten wie dem jährlichen „Loud Tate“-Event, durch die Jugendliche in die Tate "gelockt", eingebunden und auch zum eigenen künstlerischen Ausdruck angeregt werden. Musik ist dabei eines der wichtigsten Marketing Tools für die Ansprache. Offline und Online-Aktivitäten werden zielorientiert kombiniert. Außerordentlich wichtig ist Mark Miller das Thema Diversity: Jugendliche aus allen multikulturellen Lebenswelten sollen einbezogen werden.

http://www.tate.org.uk/youngtate/

Ein weiteres überzeugendes Best Practice-Beispiel stellte Paul Dujardin vor, der Generaldirektor des Brüsseler Zentrums der schönen Künste, BOZAR. Unter der Dachmarke BOZAR bietet das Zentrum als „Kerngeschäft“ klassische Konzerte und Kunstausstellungen an. Darüber hinaus wird ein umfangreiches Filmarchiv betrieben, aus dem vielfältige Filmevents gespeist werden.

BOZAR steuert seine Öffentlichkeitsarbeit stark in Eigenregie, betreibt Blogs, einen YouTube-Kanal sowie das eigene Radiostudio BOZAR Broadcast.

Paul Dujardin berichtete u.a. am Beispiel des Festivals China@BOZAR, wie durch Web 2.0 die internationale Vernetzung und Aufmerksamkeit gesteigert und chinesische Künstler, die nicht nach Brüssel kommen konnten, online bei Veranstaltungen präsent waren.

http://www.bozar.be/activity.php?id=9356&lng=en

Last but not least stellte Frank Tentler, Berater für Social Web Strategy aus Oberhausen, ein außerordentlich erfolgreiches Projekt für die Duisburger Symphoniker vor. Hier gelang es, durch den Ausbau der Website, die Etablierung eines Blogs und Facebook-Accounts (der von einem Musiker betrieben wird) sowie den Einsatz von Twitter die Wahrnehmung des Orchesters nachhaltig zu erhöhen und neue Zielgruppen, insbesondere Jugendliche für das Orchester und die Konzerte zu begeistern.

http://www.dacapo-dp.de/

Da ich den twitternden Duisburger Symphonikern fast von Anfang an auf Twitter gefolgt bin, habe ich Frank Tentlers – leider nur kurzen - Erfahrungsbericht begeistert verfolgt, wie übrigens die meisten Teilnehmer, auch wenn an meinem Tisch recht skeptische Mienen zu beobachten waren, insbesondere zu Twitter. Dass sogar Operndiva Anna Netrebko nach einem Konzert unbedingt twittern wollte und ein Foto von sich verbreiten ließ, konnte da vielleicht ein Stück Überzeugungsarbeit leisten.

http://franktentler.com/

Abschließend wurde engagiert diskutiert, u.a. welche Bedeutung der Einsatz der Neuen Medien in Zukunft haben wird, welche Trends sich abzeichnen (Umgang mit user generated content), wie die Vermarktung einer Kulturinstitution durch Web 2.0 immer stärker selbst gesteuert werden kann.

Frank Tentler unterstrich, dass es zukünftig immer wichtiger sein werde, das Kulturschaffende ihre eigenen, einzigartigen Geschichten schreiben und dadurch affine Zielgruppen anziehen werden. Neue Medien sind dabei als on top zu den „klassischen“ zu verstehen, es geht nicht um „entweder oder“ sondern um einen intelligenten Mix, zielgruppen- und ergebnisorientiert.

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(links: Paul Dujardin/rechts: Frank Tentler)

Frank Tentler ist übrigens auch einer der Organisatoren der im vorigen Jahr sehr erfolgreich gelaunchten stARTconference, die dieses Jahr vom 8. – 10. September in Duisburg stattfindet. Die stART hat sich auf die Fahnen geschrieben, über aktuelle Entwicklungen und Anwendungsmöglichkeiten von Social Media im Kulturbereich zu informieren, Wissen und Anregungen für den konkreten Einsatz zu vermitteln sowie Austausch und Vernetzung der Teilnehmer zu fördern.

http://www.startconference.org/

Christine Enterlein